Ursprünge / Geschichte der Abbaye
Die bevorzugte Lage von Talloires wurde seit immer bevölkert. Sie wurde aufgrund der Via Consularis gewählt, welche Genf über Faverges erreichte, indem sie sich am Lac d’Annecy und seinen Ufern entlang zog.
Talloires tritt 866 mit Lothar II. – Urenkel Karls des Großen – in die Geschichte ein, nämlich als er seine Frau Thiberge verstößt und ihr das Örtchen, mit der Weisung dort zu wohnen, zum Geschenk macht. Sie lebte bis zu ihrem Tode in Talloires, Während ihrer Verbannung ließ sie jedoch in Talloires eine Cella, eine kleine religiöse, schlichte aber beständige Unterkunft erbauen: eine Kapelle und darum herum ein paar Zimmer, die für pilgernde Mönche offen standen. So wurde der Grundstein für die viel später berühmte Abtei gelegt.
Nach und nach ließen sich immer mehr Pilgermönche in der kleinen Cella nieder, errichteten weitere Mönchszellen und bildeten den Anfang für ein Kloster. Gute 150 Jahre später wurde das Gut von Talloires durch den König von Burgund, Rodolph III., und seine Gemahlin Ermengarde der benedektinischen Abtei von Savigny (bei Lyon) übergeben. Innerhalb einiger Jahre errichtete der erste Abt Germain mit Hilfe der Einwohner von Talloires an der Stelle der nunmehr Überreste von Thiberges Mönchszelle eine prächtige, schöne und große Kirche (leider nicht mehr erhalten). An ihrer Seite entstanden bald andere Bauwerke, die der Unterkunft von Mönchen dienten und alle wundervoll an der Bucht gelegen und vom surrealistisch anmutenden Profil der Berge umgeben waren. Während der folgenden sechs Jahrhunderte sollte das Priorat dann dank der Geschenke sowohl von Genfer Grafen und Bischöfen, als auch von savoyischen Herzögen stark an Reichtum zunehmen.
Schließlich erhob 1674 ein Breve des Papstes Clemens X. die Prioratswürde zur königlichen Abtei. Damit sollte aber auch der Verfall einsetzten: Die Mönche – wahrhaftige Feudalherren – führten ein ausschweifendes und liederliches Leben, das unter der Bevölkerung einen geradezu rebellischen Geist provozierte. So bewirkten die Relikte dieses Prunkes nichts anderes, als die uns wohlbekannte Geschichte der Epoche zu unterstreichen: Die Revolution traf Talloires im Jahre 1792. Der Kirchturm der Abtei stürzte ein und die 700 Jahre alten Archive fielen am Kastanienplatz den Flammen eines gewaltigen Brandes zum Opfer.
Danach war Talloires für einige Jahrzehnte in Vergessenheit geraten, bis nicht die Schönheit seiner Umwelt anfing die Privilegierten einer Gesellschaft, sowie Künstler, Schriftsteller und Freunde der Muse anzuziehen. Für Reisende, die mit dem Boot von Annecy. über der See kamen, standen zunächst eine, dann zwei Herbergen zur Verfügung.
Am Anfang dieses Jahrhunderts begann sich dann die Weltberühmtheit Talloires durch seine bezaubernswerte Lage, durch seine Gastwirtschaft und die Qualität seiner Unterkünfte zu festigen.