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Jean Reno

- Selbstportrait -

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jean reno annecy

Jean Reno (Aktionär der Abbaye de Talloires) liebt es, sich dort zwischen zwei Dreharbeiten
zu erholen und die Ruhe zu genießen, die die Bucht von Talloires zu bieten hat.

Anfang

Meine Eltern sind Andalusier, ich selbst bin in Marokko geboren. Dort entdecke ich auch das Kino, vor allem amerikanische Filme,Marlon Brando, James Dean... Ich besuche die Kurse des Konservatoriums in Casablanca und absolviere dann meinen Wehrdienst. Danach, 1970, zog ich mit Freunden nach Paris. Zimmer für Dienstmädchen und so etwas. Ich schaffe es, im Cours Simon aufgenommen zu werden. René Simon stirbt im November 1970. Da haben wir ein Problem, denn ohne Simon wird das Kolleg ein wenig vornehm, ein wenig preziös. Simon hatte eine philosophische Ader, er drang darauf, dass wir viel über uns selbst nachdenken… Ich erinnere mich an seine Ankunft eines Morgens: "Der Mensch ist ein denkendes Schilfrohr. Schreiben Sie mir darüber bis nächsten Mittwoch einen Kommentar." Ich sag mir: "Ist doch nicht wahr, was ist das denn für’n Zeugs?" Aber gleichzeitig hilft es einem auch dabei, nicht nur blöd zu sein! Kurz, ich verlasse den Cours Simon.

Erste Rolle:

1972, "Clair de Femme" von Costa-Gavras. Mein erstes Ding für’s Kino. Costa sagt zu mir: "Ich möchte, dass du einen Bullen spielst." Eine Szene mit Romy Schneider und Yves Montand. Sie kommen im Auto daher, biegen nach rechts ab und ich sage: "Stopp! Einbahnstrasse." Und Romy lacht. Hat Spaß gemacht, ich war 2 Tage dort.

Liebhaberrollen :

Ich habe nie eine Liebhaberrolle gespielt und einige Zeit gebraucht, um das zu akzeptieren. Die Zeit verging, ohne dass ich arbeitete. Das waren meine Jugendjahre, die schönsten meines Lebens. Ich sah meine Kumpels arbeiten und ich, ich war arbeitslos… Das tut weh. Weil du nichts zu essen hast, kein Geld hast, ganz allein in Frankreich bist. Wenn heute jemand in meinem Umfeld Not leidet, kann ich ihm helfen. Ich kann auch Projekte ins Leben rufen, einfach weil einem die Leute mehr zuhören, wenn man ein wenig bekannt ist. Das heißt aber nicht, dass du interessantere Dinge sagst, aber man hört dir auf jeden Fall zu.

Treffen:

Ich komme zu einem Casting mit dem Typ, der im Film "Der letzte Kampf" im Kofferraum eines Autos lebt. Wir hatten ein wenig getrunken. Es ging um eine Komödie der B-Serie. Der Regisseur hieß Raphaël Delpard und Luc Besson war erster Assistent. Delpard: "Was haben Sie zuletzt gemacht?" Ich: "Ach, ich war Tennis spielen." Er schätzt das nicht besonders, aber ich sehe Luc, der sich vor Lachen biegt. "Haben Sie Fotos?" Wir geben ihm unsere Fotos. "Und was haben Sie gemacht?" "Steht hinten drauf". Und wir verdrücken uns. Und Luc lacht erneut im Hintergrund... Der andere hat uns wohl für Idioten gehalten. Was soll’s, es ist halt so. Es gibt Leute, mit denen nichts geht. Aber Luc sorgt dafür, dass wir wieder beim Casting erscheinen und nimmt uns. Ich spiele einen Leutnant, mein Kumpel einen Trommler! Drei oder vier Tage nach dem Beginn der Dreharbeiten kommt Luc zu mir und sagt: "Ich habe ein Projekt für einen Kurzfilm mit dem Namen "L'avant-dernier"." Und danach kommt es Schlag auf Schlag... "Der letzte Kampf", "Subway", "Im Rausch der Tiefe", "Nikita".

Berufung:

Schauspieler ist vielleicht nicht der schönste Beruf der Welt, aber auf alle Fälle ist er der, der mich am meisten ausfüllt... Aber ich hab keine Ahnung, wie ich zu dem Wunsch gekommen bin, Schauspieler zu werden. Vielleicht, weil ich mich selbst nicht liebte. Eines ist sicher, ich hab nie daran gedacht, etwas anderes zu machen… Wenn eine Szene gut ausgeführt wurde, ein Film gut gemacht ist, wenn im Theater ein Moment gut vorbereitet wurde, selbst, wenn er nur 30 Sekunden dauert, ist das erstaunlich. Außergewöhnlich! Ist dir das klar?

Freundschaft

Bei meinen Anfängen im Theater spielte ich den Bürger, mit Schnurrbart und Bauch, Pingel.Nicht mit Enzo, 42 Meter Meerestiefe. Alle diese Türen (Harrisonfordische) konnte ich dank Luc öffnen. Im Stil: Los geht’s, wir werden schon sehen, was das gibt. Thank you very much Luc, I love you. Wir sehen uns nur selten, aber ich weiß immer, wo wir uns befinden. Ein Telefonat von Zeit zu Zeit ist gut und eine wirkliche Freundschaft ist derartig selten, dass sie zu bewahren ist.

Komödie:

Ich freue mich, mit"L'Opération Corned Beef" wieder zur Komödie zurückzukehren. Christian Clavier ist ein Komiker. Und Komiker sind schrecklich, du weißt nie, was als nächstes kommt. Vor mehr als 10 Jahren hab ich ein Stück von Labiche mit Darry Cowl gespielt ("Selimar, le bien-aimé"). Darry spielte Selimar und ich einen gehörnten Ehemann. Eines Abends kommt Darry auf die Bühne gerast und hält inne: "Na so was, ich hab mich geirrt." Und verschwindet. Er geht weg! Die Leute krümmen sich vor Lachen. Und du, man hat dich wie einen Idioten stehen gelassen! Er kommt zurück, schaut ins Publikum und sagt seinen Text und dann: "Ist doch gut, es geht weiter." Ich schwör dir, das funktioniert! Vielleicht machte Molière das genauso?

Image :

Ich mag mich nicht. Ich vertrage es nicht, mich am Bildschirm zu sehen. Ich bin nicht in der Lage zu sagen: "Sieh an, Jean Reno, der ist gar nicht schlecht." In "Nikita", als der andere kommt, um zu zerstören, verziehe ich mich, das schwör ich dir! Ich war im Grand Rex mit Tchéky Karyo. "Wohin gehst du?" "Vergiss es!"

Bauchnabel:

Als ich das erste Mal "Midnight Run" mit Robert De Niro gesehen hab, fand ich das Scheiße. Ich sagte mir: "Oh Mann, das ist doch einfach!" Und dann hab ich das nochmals im Fernsehen gesehen und vollkommen meine Meinung geändert, vor allem über De Niro. Ich hatte nicht richtig hingeguckt, das war mein Fehler. Das war zum Zeitpunkt von "Im Rausch der Tiefe“, ich war nicht offen genug, ganz einfach, weil man zwangsläufig unter den Auswirkungen eines derartigen Erfolgs leidet.Mit "Im Rausch" bin ich ein Stockwerk höher gestiegen und da braucht die Erkundung dieser Ebene ein wenig Zeit. Verstehst du! Das ist alles. Ich war vermutlich damit beschäftigt, eine Nabelschau zu veranstalten.

Lügner:

Man hört oft ältere Schauspieler sagen: "Ich brauch jetzt niemanden mehr, ich sag Ihnen jetzt wirklich, was ich denke.“ Die hätten auch von Anfang an sagen könne, was sie denken. Lügnerbande!... (Lachen) Was? Damit macht man uns doch kein zweites Arschloch! Wenn du anfängst, Zugeständnisse zu machen, kommst du gar nicht mehr klar. Ich habe Produzenten gesehen, die mir sagten: "Sag mal, Jean, willst du mir den Film da nicht machen?" "Mensch! Hör bloß auf! Den Film mach ich nicht, wir kennen uns kaum und du willst mich nicht wirklich." Ich kann mir kein dickes Auto kaufen? Macht nichts, nächstes Jahr.

Paravent :

Es gibt sehr bekannte amerikanische Schauspieler, die "Im Rausch der Tiefe" machen wollten, ohne jemals zu tauchen. "I don't want to die." Aber wenn du nicht tauchst, verstehst du weder das Meer noch den Film. Für einen Schauspieler ist es wichtig, sich nicht selbst anzulügen. Falls du, wie in "L'homme au masque d'or", einen Catcher spielst, wirst du ganz einfach Ringkämpfe machen müssen. Ein Schauspieler ist kein Paravent, oder aber er geht in die Brasserie von Alma (sehr vom Filmmilieu besucht) und lässt uns in Ruhe..

Lehnsessel:

Falls ich nicht an meinen Rollen arbeite, geht’s daneben. Ich bin falsch, nicht glaubwürdig, ich spiel nicht mit den anderen, ich sende nicht den richtigen Ton aus. Wenn ich müde bin, werde ich listig... Schauspieler sein ist schrecklich. Das ist, als ob neben dir ein schöner und bequemer Lehnsessel steht, auf den du dich nicht setzen kannst. Falls du dich eines Tages hinsetzt, ist es vorbei. Hey! In der Truppe von Didier Flamand waren wir 32, es bleiben wohl vier, alle anderen haben sich hingesetzt. Die Lust zum Sitzen hast du… Ich seh’ gut aus, ich mach Kohle, sieh mal, hier ist ein Foto von mir. Hopp, du setzt dich hin und es ist vorbei.

Schatten:

Ganz große Schauspieler, das ist sehr hart. Das ist wie bei der ATP. 20 Spieler haben die Kapazitäten, Nummer 1 zu werden. Aber unter den 20 befinden sich 12, die keine Lust haben, das Training auf sich zu nehmen. Das ist normal und menschlich. Falls du wirklich Nummer 1 werden willst, wird es hart. Nicht nur, weil du dich nicht in den Lehnsessel setzen wirst, sondern dir obendrein noch die Schnauze verbrennst…Du wirst dir alles holen, alles machen. Das ist der Grund, warum viele Schauspieler am Ende kaputt sind, wirklich kaputt. Sie bringen die ganze Welt zum träumen und sind selbst nur noch Schatten. Typen, die durchhalten, wie Sean Connery, gibt’s nur ganz wenige.

Vorgehensweise:

Was ich am Schauspielberuf liebe ist, dass Unehrlichkeit einfach nicht möglich ist. Bist du unehrlich, hältst du es drei Minuten aus, mehr nicht. Ich pass also auf. Nicht entgleisen, mir keinen Mist erzählen. Das ist meine ganze Sorge und daher ist dies meine Vorgehensweise.

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Jean Reno c/o CBC
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91 540 Mennecy